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Sichtbarer und sicherer unterwegs - dank neuem Design
13.01.2020
Seit seiner Gründung im Jahr 1965 bildet das Weiße Kreuz eine tragende Säule im Südtiroler Rettungswesen. Der Verein wickelt auch heute noch rund 90 Prozent des Rettungs- und Krankentransportdienstes in der nördlichsten Provinz Italiens ab. Über Jahrzehnte hindurch waren die weiß-orangefarbenen Einsatzfahrzeuge auf Südtirols Straßen allgegenwärtig und in ihrer Farbgebung tief in der Wahrnehmung der Bevölkerung verankert. Dabei blieb die Beklebung in den vergangenen 20 Jahren unverändert. Nun sorgt ein neues Design für zusätzliche Sicherheit und einen modernen „Anstrich“. 
 
Über zwei Jahre lang hat sich eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe mit dem Thema Fahrzeugdesign beschäftigt und ein Projekt zur Neugestaltung des gesamten Fuhrparks ausgearbeitet. Ziel war es dabei, die Funktionalität, Sichtbarkeit und Optik mit den Anforderungen einer modernen Rettungsorganisation zu verbinden. Hier gilt es zu unterstreichen, dass es in Italien klare gesetzliche Rahmenbedingungen zum Erscheinungsbild von Ambulanzen gibt. Diese müssen erfüllt werden, um als Einsatzfahrzeug zugelassen zu werden. So müssen etwa die Oberfläche zu mindestens 60 Prozent weiß sein und das Fahrzeug über einen orangen Streifen verfügen, der ohne Unterbrechung über drei Seiten der Karosserie verläuft. Die Mindestbreite des Streifens beträgt bei Krankentransportwagen zehn Zentimeter, bei Rettungstransportwagen 20 Zentimeter. Ebenso festgehalten ist, dass der blaue Rettungsstern „Star of Life“ jede Seite des Fahrzeuges zieren muss und dabei nicht kleiner als 21 Zentimeter sein darf. Es handelte sich um eine Ausgangslage, die zwar eine klare Linie vorgibt, den kreativen Prozess bei der Neuentwicklung des Designs aber nicht weiter einschränken sollte. Beflügelt wurde das Unterfangen dadurch, dass eine gesetzliche Anpassung im Rahmen der EU auch in Italien zusätzliche Farbkombinationen für Einsatzfahrzeuge zulässt.  
 
Um der Entwicklung einen innovativen und unabhängigen Zugang zu verleihen, wurde auf mehreren Ebenen gearbeitet: Zum einen wurden zwei Agenturen dazu eingeladen, ein ganzheitliches Designkonzept für den gesamten Fuhrpark zu erarbeiten. Parallel dazu wurde ein Forschungsprojekt mit der Fakultät für ­­­­Design der Freien Universität Bozen ins Leben gerufen. Das Thema wurde im Rahmen einer Abschlussarbeit erarbeitet und stellt Wahrnehmung, Funktionalität und Ästhetik von Einsatzfahrzeugen im öffentlichen Raum in den Mittelpunkt. 
Nach der intensiven Vorbereitungszeit durch die Arbeitsgruppe wurden im Frühjahr 2019 drei Gestaltungsentwürfe präsentiert. Um eine praxisnahe Bewertung der Entwürfe zu ermöglichen, hat das Weiße Kreuz drei Testfahrzeuge bekleben lassen und über einen begrenzten Zeitraum in Dienst gestellt. Die Bewertung erfolgte dabei nach drei schwerpunktmäßigen Faktoren:
 
• Sicherheit (die maximale Sichtbarkeit im Straßenverkehr bei Tag und Nacht, im Stehen sowie in Bewegung);
• Funktionalität (der Aufwand der Beklebung, die Haltbarkeit und Austauschmöglichkeit der verschiedenen Folierungsflächen, eine spannungsfreie Beklebung sowie eine geringe Angriffsfläche der Beklebungselemente beim Waschen der Fahrzeuge);
• Ästhetik (der Wiedererkennungswert als Fahrzeug des Weißen Kreuzes, die emotionale Ansprache für die Mitarbeiter und die Bevölkerung sowie die Kohärenz mit der Dienstbekleidung).
 
Um für das Thema zu sensibilisieren, war es dem Vereinsvorstand ein wichtiges Anliegen, die Mitarbeiter nach ihrer Meinung zu fragen. Dazu wurden die drei Entwürfe zur Abstimmung auf einer internen Webseite präsentiert und jeder Mitarbeiter konnte seine Stimme abgeben. Obwohl das Ergebnis der Meinungsumfrage als nicht bindend für die Entscheidung des Vorstandes proklamiert wurde, herrschte zu guter Letzt Einigkeit. Denn nach Berücksichtigung aller Bewertungsfaktoren entschied sich die Vereinsspitze schließlich für jenes Design, welches auch von den rund 3.500 ehrenamtlichen und den mehr als 400 angestellten Mitarbeitern mehrheitlich am meisten Zustimmung erhalten hatte. Es handelt sich dabei um die Entwürfe des Südtiroler Designers Thomas Mittermair, der sich bereits in der Vergangenheit einen Namen im Bereich des Mobilitätsdesigns und der Gestaltung im öffentlichen Nahverkehr gemacht hatte.
 
Neben der positiven Rückmeldung aus den eigenen Reihen der Mitarbeiter wurden auch die hohe Funktionalität dank einer intelligenten Beklebung, der Sicherheitsaspekt aufgrund der gelben Elemente sowie die gute Verbindung zur Einsatzkleidung als positiv bewertet. Intelligent deshalb, weil die geringe Anzahl an Kanten und Ecken in der Beklebung wenig Angriffsfläche für den täglichen Waschvorgang bietet und die Klebefolien in großen Modulen angelegt sind und somit bei Karosserieschaden nur die jeweiligen Teile nachgeklebt werden müssen. Der Aspekt der Sicherheit wurde vor allem durch die zusätzlichen gelben Farbmuster erreicht, die zwar nicht rückleuchtend sind – aber nachweislich die Sichtbarkeit des Rettungsfahrzeuges bei Tag und Nacht erhöhen. Nicht zuletzt erzeugen die die gelben Balken eine optische Brücke zur Einsatzkleidung der Mitarbeiter und stellen eine neuartige Ergänzung zur historischen Beklebung her. 
 
Übrigens: Die Umsetzung des neuen Designs erfolgt schrittweise mit der Auslieferung neuer Einsatzfahrzeuge direkt ab Werk. Während in einer ersten Lieferung drei RTW sowie das Notarzteinsatzfahrzeug der Rettungswache Bozen vorgezogen wurden, wird mit Herbst 2019 die erste Flotte mit Krankentransportwagen mit der neuen Beklebung in Dienst gestellt. Die gänzliche Umstellung des Fuhrparks mit seinen rund 260 Einsatzfahrzeugen wird in Sachen Design innerhalb 2024 abgeschlossen sein. 
 
Sichtbares Design und sonst? Fahrsicherheitstraining als zusätzliche Präventivmaßnahme
 
Aber auch abseits der Fuhrparkbeklebung bemüht sich die Organisation laufend um weitere Sicherheitsmaßnahmen. Im Jahr 2018 war es beim Landesrettungsverein zu 65 Verkehrsunfällen mit beteiligten Einsatzfahrzeugen gekommen. Eine annehmbare Anzahl, stellt man die 9.463.633 zurückgelegten Kilometer im selben Jahr dazu in Relation. Um den eigenen Fahrern die bestmögliche Vorbereitung auf den Dienst zu geben, setzt das Weiße Kreuz seit Jahrzehnten auf eine rigorose Fahrerausbildung. Neben einer organisationsinternen Fahrerbefähigungsprüfung, welche die stufenweise Einführung vom PKW-Fahrdienst bis hin zum Lenken eines Rettungswagens vorsieht, zählt auch ein Fahrsicherheitstraining zum Pflichtprogramm. Seit 1998 werden Kurse angeboten, vormals in den ÖAMTC-Zentren in Saalfelden und Innsbruck in Österreich - und seit 2010 im Fahrsicherheitszentrum Safety Park südlich von Bozen. Neben einem achtstündigen Fahrsicherheitstraining steht zudem auch ein vierstündiger Refresherkurs für erfahrene Fahrer auf dem Programm. Dieser muss alle vier Jahre von allen Mitarbeitern mit eingetragener Fahrerbefähigung absolviert werden. 
 
Dieser Beitrag ist auch im Magazin „Rettungsdienst – Zeitschrift für präklinische Notfallmedizin“, Ausgabe Nr.1/2020 (S+K)Verlag erschienen. Autor ist Markus Trocker, Leiter Marketing und Kommunikation im Landesrettungsverein Weißes Kreuz. Sämtliche abgebildeten Foto stammen von David Ceska.
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