Die Geschichte der Sektion Passeiertal
1960er
Vorgeschichte
Aufgrund der langen Anfahrtszeiten von Meran in das Passeiertal wurde es von der Bevölkerung als notwendig erachtet, eine eigene Sektion des Rettungsdienstes einzurichten. Für die Gründung waren damals 500 Unterschriften aus der Passeirer Bevölkerung erforderlich, wobei jedes Mitglied einen Beitrag von 500 Lire leistete.
1970er
Gründung und erste Entwicklung
Am 5. Juli 1975 wurde die Sektion Passeiertal des Weißes Kreuz gegründet. Als erster Sektionsleiter stand Josef Auer an der Spitze. Die ersten Helfer wurden vom damaligen Gemeindearzt Dr. Mair Egg in Erster Hilfe ausgebildet. Im Dezember 1975 begann schließlich der 24-Stunden-Dienst, der von 35 freiwilligen Helfern getragen wurde. Noch im selben Jahr konnten bereits 20 Einsätze verzeichnet werden. Das erste Einsatzfahrzeug wurde von der „Stillen Hilfe“ aus Deutschland zur Verfügung gestellt.
Die erste Dienststelle befand sich in der Garage des Gasthofs „Frick“ und diente zugleich als Schlaf-, Aufenthalts-, Büro- und Funkraum. War die Stelle nicht besetzt, wurde das Telefon in das Geschäft von Rosa Delucca umgeleitet, wodurch ein durchgehender Telefondienst gewährleistet werden konnte. Bereits kurze Zeit später zeigte sich die große Bedeutung der Einrichtung: Die Einsatzzahlen stiegen rasch an – von 322 Einsätzen im Jahr 1976 auf 761 im Jahr 1977. Aufgrund dieser Entwicklung konnte der Dienst nicht mehr ausschließlich von Freiwilligen getragen werden, weshalb 1977 der erste festangestellte Mitarbeiter eingestellt wurde. Zur finanziellen Unterstützung wurden in den Jahren von 1979 bis 1989 Sammlungen von Alteisen, Glas und Papier durchgeführt.
1980er
Wachstum und Ausbau
Ab 1982 stellte die Gemeindeverwaltung von St. Leonhard in Passeier der Sektion eine größere Dienststelle im Untergeschoss des Vereinshauses zur Verfügung. Mit dem Wachstum der Bevölkerung und dem zunehmenden Tourismus im Tal entwickelte sich auch die Sektion stetig weiter. Der Dienst wurde ausgebaut, zusätzliche Freiwillige konnten gewonnen werden und aufgrund der steigenden Einsatzzahlen musste auch der Fuhrpark erweitert werden.
1990er
Professionalisierung und neue Infrastruktur
Der von Rosa Delucca über viele Jahre hinweg sichergestellte Telefondienst wurde 1990 beendet. Zu Beginn der 1990er Jahre verfügte die Sektion bereits über rund 80 Freiwillige, drei Festangestellte und sechs Ambulanzfahrzeuge.
Angesichts dieser Entwicklung wurde es für die Gemeindeverwaltung von St. Leonhard in Passeier zunehmend wichtig, den Zivilschutzorganisationen – darunter Feuerwehr, Bergrettung und das Weißes Kreuz – eine geeignete gemeinsame Unterkunft zu bieten. Es wurde daher mit dem Bau eines Zivilschutzzentrums begonnen, das im August 1993 gesegnet und seiner Bestimmung übergeben wurde. Von diesem Zeitpunkt an waren alle Organisationen unter einem Dach vereint.
Ein besonders prägender Einsatz ereignete sich im Juli 1992, als eine Steinlawine die Straße zwischen St. Leonhard und Moos in Passeier verschüttete. Dabei wurden drei Fahrzeuge erfasst und zwölf Personen mussten versorgt werden.
2000er
Erweiterung und Anpassung
Das Zivilschutzzentrum erfüllte über Jahre hinweg eine wichtige Funktion, doch aufgrund gesetzlicher Änderungen, zunehmenden Platzmangels sowie neuer Anforderungen in den Bereichen Hygiene, Arbeitssicherheit und Ausbildung wurde eine Erweiterung notwendig. Diese wurde im Juni 2005 abgeschlossen und feierlich gesegnet. Der modernisierte Sektionssitz bildet seither das zentrale Herzstück der Tätigkeit.
2010er Jahre bis heute
Neue Aufgaben und Zukunftsperspektiven
In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an die Sektion sowohl im bürokratischen als auch im ausbildungstechnischen Bereich deutlich gestiegen. Die Aufgaben beschränken sich schon lange nicht mehr ausschließlich auf Rettungseinsätze und Krankentransporte. Vielmehr sind die Freiwilligen inzwischen auch in Bereichen wie Notfalldarstellung tätig und übernehmen damit wichtige Funktionen im gesamten Bezirk.
Ein bedeutender Baustein für die Zukunft der Sektion ist die eigene Jugendgruppe, die den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Dienstes langfristig sichern soll.