Es war mitten in der Nacht, als Luigi aufwachte, weil er kaum noch Luft bekam. Ohne den Telenotruf hätte er den nächsten Morgen nicht mehr erlebt.
Plötzlich und ohne Vorwarnung
Luigi kann sich nur noch vage an die schicksalshafte Nacht vor einem Jahr erinnern. Wenn er erzählt, spricht er von Benommenheit, von einem beklemmenden Gefühl und von der Stimme in seinem Kopf, die immer wieder sagt: „Drück den Knopf“. Gemeint war der Notdruck-Knopf auf dem kleinen Telenotruf-Sender, den er immer bei sich trug. Er schaffte es gerade noch, den Alarm auszulösen, bevor er das Bewusstsein verlor. Die Sanitäter des Weißen Kreuzes, die zehn Minuten später eintrafen, hat er noch wahrgenommen. Richtig zu sich gekommen ist er aber erst wieder im Krankenhaus. Er hatte einen schweren Schlaganfall erlitten – plötzlich und ohne Vorwarnung. Er sagt klar: „Der Telenotruf hat mir das Leben gerettet. Sonst wäre ich heute nicht mehr da“.
Seiner Tochter zuliebe
Dank der schnellen Hilfe hat sich Luigi bis heute erstaunlich gut erholt. Er geht selbstständig, spricht sehr deutlich und genießt es, am Leben zu sein. Das zeigt sich schon an dem ihm eigenen, spitzbübischen Lächeln, das fast immer um seine Lippen spielt. Es wird noch strahlender, wenn er seine Tochter Daniela ansieht. Die beiden gehen sehr liebevoll miteinander um – dankbar, für die Zeit, die sie noch miteinander haben.
Luigi hat sich seiner Tochter zuliebe beim Telenotruf des Weißen Kreuzes angemeldet. „Daniela war damit einfach beruhigter“, sagt er und gibt dann zu, dass er sich ebenfalls sicherer gefühlt habe: „Egal, was ich tat und wo: ich fühlte mich immer behütet – und damit auch freier. Das hätte ich anfangs nicht gedacht“.
„Hätte mir keine Sorgen gemacht“
Ob die Telenotruf-Anmeldung einfach nur ein Glücksfall war oder doch eine Vorahnung, können weder Daniela noch ihr Vater heute genau sagen. Schließlich ging es Luigi damals gut. Gesundheitliche Probleme hatte der passionierte Hobbysportler kaum. „Papi lebte allein und komplett selbständig. Wir haben meistens einmal am Tag miteinander telefoniert. Ich war es dennoch gewohnt, dass er nicht auf jeden Anruf reagiert und hätte mir keine Sorgen gemacht, wenn ich einen Tag lang nichts von ihm gehört hätte“, sagt Daniela. Trotzdem wollte sie für den Notfall vorsorgen. Und der kam schneller als gedacht – knapp drei Monate nachdem das Telenotruf-Gerät installiert war.
Der Anruf mitten in der Nacht
Daniela erinnert sich noch gut an den Anruf des Weißen Kreuzes in jener Nacht. „Sie haben mir gesagt, was passiert ist. Papi sei schon in Behandlung, ich solle mir Zeit lassen und erst in einer Stunde ins Krankenhaus kommen“, erzählt sie. Trotz des Schocks habe sie dieser Anruf erst einmal beruhigt: „Sie waren da und Papi war in guten Händen: Das war in diesem Moment das Wichtigste für mich“. Erst im Nachhinein habe sie realisiert, wie wichtig es war, den Wohnungsschlüssel beim Weißen Kreuz zu hinterlegen. So konnten die Sanitäter in kürzester Zeit Hilfe leisten, was gerade bei einem Schlaganfall nicht nur Leben retten, sondern auch schwere Folgeschäden verhindern kann.
Zeitnahe Versorgung
Luigi ist einer von vielen Menschen in Südtirol, die auf den Telenotruf vertrauen – über 2.500 allein im vergangenen Jahr. Insgesamt wurden 2.127 Rettungseinsätze aktiviert. „Nicht immer war die Situation so ernst. Oft waren es kleinere Unfälle oder ein plötzliches Unwohlsein. Doch auch in diesen Fällen ist schnelle Hilfe wichtig, damit die Menschen zeitnah versorgt werden können“, erklärt Reinhard Mahlknecht, Leiter der Abteilung Soziale Dienste des Weißen Kreuzes. Bei den meisten der insgesamt über 18.670 Notrufe im vergangenen Jahr konnte die Situation auch ohne Rettungsmittel geklärt werden. „Oft reicht eine einfache Hilfestellung aus. Dann kontaktieren wir eine Bezugsperson oder suchen eine andere Lösung“, erklärt Mahlknecht.
Die Entwicklung geht weiter
Um immer auf dem modernsten Stand zu bleiben, entwickelt das Weiße Kreuz seine Telenotruf-Angebote laufend weiter. Seit heuer ist beispielsweise ein neues Sensorsystem mit App verfügbar. Dadurch können kritische Situationen frühzeitiger erkannt werden – durch individuelle Benachrichtigungen auf dem Handy, etwa wenn die betreute Person am Morgen nicht wie gewohnt aufsteht.
Sicherheit und Beistand
Im Fokus steht beim Telenotruf aber nicht nur die Technik: „Der menschliche Aspekt wird immer wichtiger“, betont Präsident Alexander Schmid. Ein neuer Begleitdienst mit Freiwilligen soll zukünftig noch mehr Sicherheit und Beistand bieten.
Für jeden Geldbeutel
Wichtig ist dem Weißen Kreuz zudem, dass die Angebote für jede und jeden in Südtirol leistbar bleiben. Der Kostenbeitrag wird möglichst niedrig gehalten, bei Bedarf ist zusätzliche Unterstützung über den Sozialsprengel möglich.
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