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Chronik des Landesrettungsvereins Weißes Kreuz

Die Gründung 1965
In Südtirol gab es bereits vor dem Ersten Weltkrieg einen Rettungsdienst, der traditionsgemäß, ähnlich dem Feuerwehrwesen, von Freiwilligen getragen wurde. Im Jahr 1912 gründete das Bozner Spitalkomitee eine Rettungsgesellschaft. Ihre 40 freiwilligen Helfer eilten im ersten Jahr schon zu 659 Einsätzen. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde dieser Verein aufgelöst und die Dienste führte das Italienische Rote Kreuz durch.

Der Rettungsverein Weißes Kreuz wurde am 10. August 1965 vom Eppaner Gemeindearzt Johann Nicolussi-Leck, Günter Eccel, dem Journalisten Franz Berger, Heinrich Döcker , Hermann Nicolussi-Leck und den Ärzten Claudio Paruccini, Karl Pellegrini, Letterio Romeo sowie Josef Rössler gegründet.

Das strategische Ziel des Vereins war es, die flächendeckende Rettung und den Krankentransportdienst in ganz Südtirol zu verbessern und die Freiwilligen stark einzubinden. Von Anfang an wurde die Tätigkeit des Weißen Kreuzes von der Bevölkerung stark unterstützt.
Daraufhin begann der Aufbau der peripheren Struktur der Sektionen. Noch in den 60er Jahren wurden eigene Rettungsstellen in den Gemeinden Bozen, Meran, Corvara, Waidbruck, Bruneck und Schlanders errichtet und die Sektion Zivilschutz im Weißen Kreuz (früher Betreuungszug genannt) gegründet. Initiatoren waren die jeweiligen Gemeinden, die einen guten Rettungs- und Krankentransportdienst einforderten.

Die 1970er Jahre

Finanziell stützte sich das Weiße Kreuz auf die Sammelaktionen von Müll, Bekleidung, die Organisation von Bällen und Festen und Zuschüsse der Gemeinden usw. Mit dem Erstarken der Südtirol-Autonomie in den 70er Jahren wurde das Weiße Kreuz immer stärker politisch und finanziell gefördert. Im Oktober 1974 erhielt der Verein die wichtige Anerkennung als privatrechtliche,  juristische Person.
Auf Anfrage der Bevölkerung wurden weitere Weiß-Kreuz-Sektionen errichtet: in Arabba, Canazei, Livinallongo, Tesero, Brixen (1970), Sterzing, Neumarkt, Innichen, Mals, Seis, Sulden, im Passeiertal, Welschnofen, Cortina d’Ampezzo, Sarnthein und Reschen. Mehrere Rettungsvereine aus dem deutschsprachigen Ausland unterstützten in dieser Zeit mit Geldmitteln, technischen Geräten, Kursen und Know-how die am Ausbau interessierten Sektionen.
Die 1980er Jahre
1987 wurde der Flugrettungsdienst per Landesgesetz eingerichtet und sechs Jahre später die Arbeitsgemeinschaft Landesflugrettung gegründet. Das Weiße Kreuz übernahm die Federführung.
1989 erhielt die Provinz Südtirol die Zuständigkeit über den Rettungsdienst, der im Bereich Gesundheit angesiedelt und von den beiden Rettungsorganisationen Weißes Kreuz und Rotes Kreuz durchgeführt wird. Das Tarifsystem für die Krankentransporte wurde eingeführt. Somit festigte sich das Weiße Kreuz strukturell und organisatorisch.

Die 1990er Jahre

1993 errichtete die Landesregierung nach einer nationalen Vorgabe die Landesnotrufzentrale 118. Seitdem werden alle Rettungseinsätze von dieser Zentrale koordiniert und an die verschiedenen Südtiroler Rettungsdienste vermittelt.
In der Aufbauphase des Vereins ist der Bozner Facharzt Karl Pellegrini sein verdienstvoller Präsident, Geschäftsführer Karl Detomaso stand ihm zur Seite. Im Jahr 1995 wurde der Verein aber von einer tiefen Organisationskrise geschüttelt, worauf ein Führungswechsel stattfand und Adolf De Lorenzo die Direktion übernahm. Karl Pellegrini übergab dem Facharzt für Anästhesie, Georg Rammlmair, die Vereinsführung. Seit 2001 arbeitet der neue Direktor, der Jurist Ivo Bonamico, ständig an der Reorganisation des Weißen Kreuzes.
1998 wurde der Verein in das Landesverzeichnis der ehrenamtlich tätigen Organisationen eingetragen, wurde ein so genannter „Onlus-Verein“, da mehr als die Hälfte seiner Arbeit von Freiwilligen geleistet wird. Das Weiße Kreuz ist eine „Non-Profit-Organisation“ (NPO), also ein nicht gewinnorientierter und gemeinnütziger Verein. Die Kernleistungen des Vereins werden durch  das Land finanziell weitgehend abgedeckt.
In diese Zeit fällt die Gründung des Freiwilligen-Dienstes der Notfallseelsorge und des Hausnotrufs des Weißen Kreuzes.
In den 90ern wurden weitere sieben Sektionen errichtet, im Ahrntal, Lana, Mühlbach, Ritten, St. Vigil in Enneberg, Klausen und im Ultental.
2000 – 2010
2002 setzte das Weiße Kreuz erstmals semiautomatische Defibrillatoren in den Krankenwägen ein. Aufgrund der Initiative des Weißen Kreuzes sind sie nun nicht nur in jedem KTW griffbereit, sondern auch als Säulen-Defis auf öffentlichen Plätzen (seit Ende 2016).
In diesem Jahrzehnt erhielten viele Weiß-Kreuz-Stellen neue Sitze, oft in den neu errichteten Zivilschutzzentren.
Nach 2010
2011 wurde der privatrechtliche Verein HELI gegründet und von der Landesregierung mit der Führung der Landesflugrettung beauftragt. Das Weiße Kreuz ist sein federführendes Mitglied.
First responder: Auch dieses ein Projekt, das zusammen mit den Freiwilligen Feuerwehren und der Landesnotrufzentrale entstand, wurde 2011 Teil des Südtiroler Rettungssystems.
Die ersten Einnahmen aus den 5-Promille-Zuwendungen (2014) zusammen mit jenen aus den Jahresmitgliedschaften und den Spenden der Bevölkerung ermöglichen ihre Reinvestition in die zwei Hauptleistungsbereiche, in die Jugendarbeit und die Ausbildung. 
Im diesem Jahrzehnt wurde die Einsatznachsorge als interner und externer Dienst für die Mitarbeitenden ausgebaut.                
Auffallend ist, dass die Anzahl der Freiwilligen mit mehr als 3000 Mitarbeiter/-innen sehr hoch ist, und auch im europäischen Vergleich eine der höchsten. Auch die Anzahl der rund 120.000 Jahresmitglieder des Weißen Kreuzes nimmt kontinuierlich zu, ein Zeichen dafür, dass sei es die Dienstleistungen als auch die Angebote der Mitgliedschaften des Vereins sehr gut von der Südtiroler Bevölkerung angenommen werden und seine Arbeit allgemein sehr geschätzt wird.
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